Was ist der Unterschied zwischen Krötenzaun und Amphibientunnel?

Der mobile Zaun ist die Handarbeits-Lösung. Eine niedrige Plane wird im Frühjahr am Straßenrand aufgestellt, alle fünf bis zehn Meter ist ein Eimer eingegraben. Die Tiere laufen an der Plane entlang, plumpsen in die Eimer und werden von Freiwilligen über die Straße getragen1. Das funktioniert, aber nur so gut wie die Leute dahinter: Der Zaun muss in der Saison jeden Tag kontrolliert werden.

Der Tunnel ist die Bau-Lösung. Das Merkblatt MAQ beschreibt Amphibienschutzanlagen als dauerhafte Einrichtungen aus Kleintierdurchlässen, Leit- und Sperreinrichtungen sowie Betonrinnen mit Gitterrost4. Hier braucht niemand mehr zu tragen. Die Tiere finden selbst den Weg, und zwar zu jeder Tageszeit.

Der NABU-Experte Jens Scharon bringt den Unterschied auf den Punkt: Wo jedes Jahr viele Tiere wandern, sind feste Anlagen sicherer und wirksamer. Bei mobilen Zäunen sitzen Tiere teils stundenlang im Eimer, bis morgens jemand kommt, und das ist ein Eingriff in ihre Biologie3. Und es gibt noch eine Lücke: Temporäre Zäune decken die Rückwanderung im Sommer und Herbst nicht ab, wie Sachsen-Anhalt für Röderhof im Harz festhält. Gerade Jungtiere sind dann ungeschützt9.

Mobiler Krötenzaun und feste Anlage im Vergleich Oben führt eine Plane die Tiere in eingegrabene Eimer, Freiwillige tragen sie über die Straße. Unten führt eine feste Leitwand die Tiere in einen Tunnel unter der Fahrbahn, sie laufen selbst hindurch. Mobiler Zaun nur in der Saison, täglich betreut Freiwillige tragen Eimer alle 5 bis 10 m Feste Anlage ganzjährig, ohne Tragen Leitwand: mindestens 40 cm Tunnel bis 20 m: 1 m hoch, 1 m breit
Beide Lösungen im Schnitt: Die Eimerabstände nennt der NABU Hamburg1, die Maße der Leitwand der NABU2, die Tunnelmaße das Merkblatt MAQ 20224.

Wie funktioniert eine feste Anlage?

Das Prinzip ist simpel: stoppen, leiten, durchlassen. Amphibien wollen Hindernisse umgehen und laufen deshalb an der Leitwand entlang, zugleich möchten sie nicht zu weit von ihrer Richtung abweichen. Darum nehmen sie die Tunnel an. Die Abstände zwischen den Tunneln sollten nach Angaben des NABU 30 bis 50 Meter nicht überschreiten2.

Die Leitwand muss mindestens 40 Zentimeter hoch sein, bei Springfröschen 60 Zentimeter, und sie braucht oben einen Überhang, weil vor allem Jungtiere an senkrechten Wänden hochklettern. Jede Lücke wirkt als Kletterhilfe, und auch Pflanzen dürfen die Wand nicht überwuchern2.

Beim Tunnel selbst hat sich mit dem Merkblatt MAQ von 2022 einiges getan. Für Durchlässe bis 20 Meter Länge gilt als Regel 1 Meter lichte Höhe und 1 Meter lichte Breite. Ist das nicht möglich, sind Ausnahmen bis 0,6 Meter Höhe bei mindestens 1 Meter Breite vorgesehen. Bevorzugt werden Rechteckhauben als sogenannte Stelztunnel, damit der natürliche Boden als feuchte Lauffläche erhalten bleibt4.

Auch das Material zählt. Normaler Beton zieht Wasser an. Treffen feuchte Amphibien auf trockenen Beton, können sie daran kleben bleiben, was meist zum Tod oder zu schweren Hautverletzungen führt. In Bielefeld kamen deshalb speziell gefertigte, nicht hygroskopische Elemente zum Einsatz6.

Was kostet das und wer bezahlt?

Bei festen Anlagen kommen schnell sechsstellige Summen zusammen, und die Spanne ist riesig. Eine Übersicht aus einem Forschungsprogramm der Bundesanstalt für Straßenwesen nennt Beispiele von 70.000 Euro für 300 Meter mit neun Durchlässen in Byhleguhre bis zu 1.000.000 Euro für 1.350 Meter mit 18 Durchlässen in Worms, beide aus den Jahren um 20005. Neuere Beispiele:

  • In Uttenweiler im Landkreis Biberach vergab die Gemeinde 2019 Aufträge über rund 233.900 Euro für fünf Durchlässe an der L 270. Geplant waren eigentlich acht für 160.000 Euro7.
  • In Leipzig kostete der Amphibientunnel am Portitzmühlweg insgesamt 122.000 Euro8.
  • In Röderhof investierte das Land Sachsen-Anhalt knapp 600.000 Euro in die Erneuerung und Erweiterung9.

Wer zahlt, hängt am Einzelfall. Grundsätzlich gilt das Verursacherprinzip: Beeinträchtigt ein Straßenbau Wanderwege, muss das der Straßenbauer wiedergutmachen, nicht der Naturschutz2. An bestehenden Straßen kann der Baulastträger auch aus Gründen der Verkehrssicherheit herangezogen werden2. Daneben gibt es Fördertöpfe wie in Bielefeld oder Ausgleichsmaßnahmen wie in Uttenweiler, wo die Tunnel den Eingriff durch ein Neubaugebiet kompensieren7.

Die Zaunbetreuung läuft dagegen meist ehrenamtlich. Sachsen fördert sie allerdings: Für die Dokumentation an Amphibienzäunen gibt es dort einen Festbetrag von 13,50 Euro je laufendem Meter, wenn Auf- und Abbau dazugehören, sonst 12 Euro10.

Wann reicht ein Zaun und wann muss ein Tunnel her?

Der Zaun ist die richtige Wahl, wenn eine Wanderstelle neu entdeckt wurde, wenn die Zahlen noch unsicher sind oder wenn gerade kein Geld da ist. Er liefert außerdem das, was für jede Planung nötig ist: belastbare Daten. Der NABU hält eine zweijährige Untersuchung für das Minimum, weil Vorkommen von Jahr zu Jahr stark schwanken2.

Über einen Tunnel solltest du nachdenken, wenn die Stelle Jahr für Jahr viele Tiere zählt, wenn die Straße stark befahren ist, wenn es dort für Freiwillige zu gefährlich wird oder wenn die Betreuung auf wenigen Schultern lastet. In Leipzig war genau das der Auslöser: Mobile Zäune und Handtransport waren für die Ehrenamtlichen zu aufwändig geworden8.

Am Ende gilt der Rat, den der NABU Planern mitgibt: so einfach wie möglich. Aufwändige, verschlungene Systeme erfüllen so gut wie nie ihren Zweck und erschweren die Pflege2.