Warum sollten Hühner nicht einfach an den Teich?

Die Idee klingt idyllisch: Hühner picken am Ufer, Frösche quaken im Schilf. In der Praxis stört das aber beide Seiten, und zwar aus drei Gründen.

Hühner jagen. Sie sind Allesfresser. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beschreibt, dass sie sich im Freien mit Insekten versorgen und, wenn sie die Chance haben, sogar mit Mäusen1. Ein Ufer voller Jungfrösche, die gerade an Land gehen, ist da ein gedeckter Tisch. Zahlen dazu haben wir nicht gefunden, die Logik liegt aber nahe.

Mist und Wasser vertragen sich nicht. Wo Hühner scharren, landen Kot und Erde schnell im Teich. Für Amphibien ist das keine Kleinigkeit: Der NABU nennt den Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften als Gefahr für die Laichgewässer12.

Der Teich zieht Wildvögel an. Genau das will die Geflügelpest-Verordnung von deinen Hühnern fernhalten. Geflügel darf nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben6. Das nordrhein-westfälische Landesamt nennt die gemeinsame Nutzung von Wasserquellen ausdrücklich als möglichen Übertragungsweg für die Vogelgrippe11. Ein Huhn, das am Ufer trinkt, ist also ein Risiko für deine ganze Gruppe.

Wie baust du einen Teich für Amphibien?

Ein Amphibienteich muss nicht groß sein, aber er sollte ein paar Dinge richtig machen.

  • Keine Fische. Goldfische fressen gerade in kleinen Gewässern den Nachwuchs von Fröschen, Kröten und Molchen5. Ohne Fische hast du schon halb gewonnen.
  • Flache Ufer. Empfohlen werden Flachwasserbereiche von 20 bis 30 Zentimetern3. Dort sitzen die Kaulquappen gern, und flache Ränder dienen den Tieren als Ausstieg. Der BUND Lemgo nennt Uferneigungen von 1:3 bis 1:52.
  • Genug Tiefe. Für das Überwintern reichen schon 50 Zentimeter, noch besser sind tiefere Bereiche von 100 bis 150 Zentimetern3.
  • Geduld statt Besatz. Setz keine Amphibien, Wasserinsekten oder andere Tiere ein. Geeignete Arten kommen von allein2.

Eine sonnige Lage hilft, außerdem sollten rund um den Teich Stein- oder Totholzhaufen und wilde Ecken als Versteck für die Zeit an Land dienen. Wer einen Bereich des Gartens verwildern lässt, tut Amphibien einen großen Gefallen.

Hühnerauslauf und Amphibienteich auf einem Grundstück Links der Hühnerauslauf mit Stall und überdachter Tränke, in der Mitte ein hoher Zaun, der etwa 20 Zentimeter in den Boden reicht. Rechts ein Teich mit Flachwasser von 20 bis 30 Zentimetern und einer Tiefe von mindestens 50 Zentimetern. Hühner Amphibien Tränke unter Dach:nur Leitungswasser Zaun rund 20 cmim Boden Mist und Kompost:weit weg vom Teich Flachwasser20 bis 30 cm Tiefzoneab 50 cm keine Fische, flaches Ufer
Zwei Reviere auf einem Grundstück: Die Teichmaße nennt die Berliner Koordinierungsstelle Fauna3, die Vorgaben zur Tränke stehen in der Geflügelpest-Verordnung6.

Wie trennst du Auslauf und Teich sinnvoll?

Denk in zwei Revieren. Das eine gehört den Hühnern, das andere den Amphibien, und dazwischen steht ein Zaun. Die Stadt Bielefeld nennt in ihrem Merkblatt je nach Hühnerrasse eine Zaunhöhe von 180 bis 200 Zentimetern und rät, den Zaun etwa 20 Zentimeter in den Boden zu führen, damit kein Fuchs ihn untergräbt4. Für den Auslauf solltest du rund 20 Quadratmeter pro Huhn anstreben, dann bleibt die Grasnarbe langfristig erhalten4.

Lege den Auslauf nach Möglichkeit so an, dass Regenwasser von dort nicht zum Teich fließt. Das gilt auch für den Misthaufen. Ein Kotbrett unter den Sitzstangen, das alle zwei Tage geleert wird, hält den Stall sauber4 und erleichtert das Kompostieren an einer teichfernen Ecke.

Die Tränke kommt in den Stall oder unter ein festes Dach. Das Landesamt in NRW rät klar: nur Leitungswasser, nur an Stellen, die für Wildvögel nicht zugänglich sind11. Pro Huhn rechnet Bielefeld mit etwa 250 Millilitern Wasser und 120 Gramm Futter am Tag4. Räum Futterreste und Pfützen weg, damit du keine Wildvögel anlockst11. Das ist übrigens auch gut gegen Ratten.

Ein ganz praktischer Punkt zum Schluss: Amphibien wandern. Im Frühjahr und im Sommer kann durchaus eine Kröte durch den Auslauf laufen. Lass den Weg vom Teich zu den wilden Ecken deshalb außen herum frei, also nicht quer durch das Hühnergehege.

Was gilt bei Geflügelpest und Stallpflicht?

Bricht die Geflügelpest aus, kann die Behörde anordnen, dass Geflügel in geschlossene Ställe oder unter eine Schutzvorrichtung muss. Die braucht eine dichte, überstehende Abdeckung und gesicherte Seiten7. Netze oder Gitter als Abdeckung dürfen höchstens 25 Millimeter Maschenweite haben7.

Ob es zu so einer Anordnung kommt, entscheidet die Behörde nach einer Risikobewertung. Dabei spielt auch die Lage eine Rolle: Die Verordnung nennt die Nähe zu Gebieten, in denen sich wilde Wat- und Wasservögel sammeln, etwa Feuchtbiotope, Seen oder Flüsse7. Wohnst du an so einem Ort, solltest du erst recht vorbereitet sein. Wie die Lage bei dir bewertet wird, entscheidet die Behörde. Deinen Gartenteich hältst du so oder so besser außer Reichweite deiner Hühner.

Für die Amphibien ändert eine Stallpflicht wenig, für die Hühner dagegen viel. Plane deshalb den überdachten Auslauf am besten gleich mit, wenn du Stall und Zaun anlegst. Das ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Was bei dir aktuell gilt, erfährst du beim Veterinäramt.