Was sind Laufenten und was leisten sie wirklich?

Laufenten, oft Indische Laufenten genannt, sehen aus wie kleine Weinflaschen auf zwei Beinen. Sie gehen lieber zu Fuß, als zu fliegen, und streifen dabei emsig durchs Beet. Der Ruf als Schneckenpolizei kommt nicht von ungefähr: Sie fressen auch die Spanische Wegschnecke, die in vielen Gärten ein Plagegeist ist, und scharren anders als Hühner nur selten im Boden2.

Wunder vollbringen sie trotzdem nicht. Die anstiftung drückt es in ihrem Praxisblatt nüchtern aus: Laufenten können eine Schneckenplage eindämmen, sie fressen aber auch gern junge Gemüsepflanzen und trampeln mal ein Beet nieder3. Salatköpfe und Beeren sind ebenfalls nicht sicher2. Wer die Enten nur als Schädlingsbekämpfung sieht, wird also enttäuscht. Wer Freude an Tieren hat und die Schnecken als Bonus nimmt, liegt richtig.

Laufenten sind außerdem Herdentiere und fühlen sich nur in der Gruppe wohl4. Eine einzelne Ente im Garten ist keine Option. Und bedenke: Du holst dir keine Saisonhilfe, sondern Mitbewohner, die jeden Tag versorgt werden wollen, auch im Winter und im Urlaub.

Was brauchen Laufenten im Garten?

Die Grundausstattung passt auf einen Bierdeckel: Stall, Wasser, Zaun.

Stall. Er muss die Enten nachts vor Fuchs und Marder schützen und sich gut verschließen lassen2. Rechne mit mindestens einem halben Quadratmeter pro Ente1. Für ein Paar kann schon eine umgebaute Hundehütte reichen. Misten musst du etwa einmal pro Woche2.

Wasser. Das ist der Punkt, an dem es wirklich ernst wird. Laufenten brauchen stets Zugang zu Trinkwasser, damit der Schneckenschleim Schnabel und Kehle nicht verstopft2. Steht zu wenig bereit, können sie an Schnecken ersticken1. Für junge Enten ist die Gefahr besonders groß3. Zum Baden brauchen sie keinen Teich. Eine alte Wanne oder ein Planschbecken genügt, solange sie gut wieder herauskommen und du das Wasser regelmäßig wechselst1. Auch das niedersächsische Agrarministerium nennt Wasser zur Gefiederpflege als Grundbedürfnis: Die Ente taucht den Kopf ein, putzt sich und richtet ihre Federn10.

Zaun. Als Ausbruchsschutz reichen 80 Zentimeter, wenn die Maschen eng sind und der Zaun unten dicht abschließt, denn die schlanken Tiere passen durch erstaunlich kleine Lücken1. Gegen Füchse genügt das aber nicht. Utopia rät zu mindestens anderthalb Metern rund ums Grundstück2. Wirklich verlässlich wird es erst mit Strom, mehr dazu im Ratgeber zu Graureiher und Fuchs8.

Bewährt hat sich ein festes Basislager: ein abgezäunter Bereich mit Stall, Futterstelle und Bademöglichkeit. Zwischen Spätsommer und Frühjahr, wenn der Salat abgeerntet ist, dürfen die Enten dann in den restlichen Garten1.

Laufenten im Garten: Basislager, Beete und Amphibienteich Links ein eingezäuntes Basislager mit Stall, Badewanne und Futterstelle. Rechts oben Gemüsebeete, in die die Enten erst nach der Ernte dürfen. Rechts unten ein abgezäunter Amphibienteich. Basislager Stall0,5 m² proEnte Wannezum Baden Futter Gemüsebeete Enten erst ab Spätsommer,wenn abgeerntet ist Amphibienteich abgezäunt, keine Enten
So kann ein Basislager im Garten aussehen. Stallmaß und Basislager-Idee stammen von Plantura1, die Netzhöhe vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen8.

Welche Regeln gelten für Hobbyhalter?

Auch zwei Enten im Garten sind rechtlich eine Tierhaltung. Die Viehverkehrsverordnung nennt Enten ausdrücklich: Wer sie halten will, muss das vor Beginn der zuständigen Behörde anzeigen, mit Name, Anschrift, Anzahl, Nutzungsart und Standort5. Zusätzlich musst du angeben, ob du die Tiere im Stall oder im Freien hältst, und ein Register über Zu- und Abgänge führen9.

Die Geflügelpest-Verordnung regelt außerdem, wie du fütterst. Die Tiere dürfen nur an Stellen gefüttert werden, die für Wildvögel nicht zugänglich sind, und nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter und Einstreu musst du so lagern, dass Wildvögel nicht herankommen6. Das sind allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Dein Veterinäramt sagt dir, was bei dir vor Ort gilt.

Wie passen Laufenten und Amphibien zusammen?

Ehrlich gesagt: nur mit Abstand. Laufenten suchen sich am Wasser Pflanzen, Insekten, Würmer, Schnecken, aber auch Laich und Kaulquappen1. In einem kleinen Gartenteich kann das eine ganze Generation Frösche kosten. Dazu kommt der Kot. In einem stehenden Gewässer kann er nicht abfließen1, und dem Wasser tun die zusätzlichen Nährstoffe nicht gut.

Die gute Nachricht: Beides lässt sich vereinbaren. Halte die Enten vom Amphibienteich fern, mindestens von den ersten Laichballen im Februar bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Jungtiere das Wasser verlassen haben. Am einfachsten geht das, wenn der Teich außerhalb des Enten-Basislagers liegt und die Enten ihre eigene Wanne bekommen. So bleibt der Teich eine Kinderstube, und die Enten haben trotzdem ihr Bad. Wie du einen Teich so anlegst und abgrenzt, steht im Ratgeber zu Teich, Hühnern und Amphibien.