Wann beginnt die Krötenwanderung?

Einen festen Starttermin gibt es nicht. Die Tiere richten sich nach dem Wetter, und das Wetter hält sich nicht an den Kalender. Als Faustregel nennt der NABU Hessen milde Nachttemperaturen von über 5 °C1. Kommt Feuchtigkeit dazu, lohnt sich am Abend ein Blick auf die Straße. Hamburgs Umweltbehörde beschreibt das gleiche Muster: meist Februar bis April, oft bei Regen, milder Witterung, in der Dämmerung und nachts4.

Nicht alle Arten starten gleichzeitig. Springfrösche sind die Frühaufsteher und teilweise schon Ende Januar unterwegs9. Grasfrösche laichen oft bereits im Februar, sobald es 5 °C warm und feucht ist10. Die große Masse der Erdkröten folgt meist etwas später, der NABU verortet den Höhepunkt der Saison gegen Mitte März2. Unser Wanderkalender zeigt dir das Art für Art.

Wie launisch so ein Start sein kann, zeigte das Frühjahr 2025. Im hessischen Main-Kinzig-Kreis tauchten die ersten Erdkröten zwischen dem 7. und 9. März auf, dann stockte alles: Nachts fror es wieder, am 13. März fiel sogar noch einmal Schnee. Erst als die Nächte im Westen wieder über plus fünf Grad blieben, rechnete der NABU im Flachland mit starkem Wanderverkehr5. Für dich heißt das: Nicht der Kalender zählt, sondern die Nacht, die vor dir liegt.

Der Weg der Amphibien vom Winterquartier zum Laichgewässer Im Winterquartier links starten die Tiere ab etwa 5 Grad bei Feuchtigkeit in der Dämmerung, queren die Straße in der Mitte und erreichen rechts das Laichgewässer. Später führt der Rückweg in die andere Richtung. ab etwa 5 °C feucht ab Dämmerung Hinweg: bis zu 3 km WinterquartierStraßeLaichgewässer Rückweg, später auch die Jungtiere
Vom Winterquartier zum Teich und zurück: Die Temperaturmarke von 5 °C und die bis zu 3 Kilometer Weg nennt der NABU Hessen1.

Warum wandern Kröten, Frösche und Molche überhaupt?

Amphibien führen ein Doppelleben. Aus dem Laich schlüpfen Kaulquappen, die ihre erste Lebensphase ausschließlich im Wasser verbringen. Haben sie sich verwandelt, leben die Tiere an Land und kehren in der Regel nur noch zur Fortpflanzung zurück2. Den Winter verbringen sie in Hecken, Wäldern oder auch in Gärten, und die liegen teilweise weit von den Gewässern entfernt. Bis zu drei Kilometer lang kann die Reise sein1.

Dieser Weg ist keine Zufallsroute. Die Tiere laufen Jahr für Jahr ähnliche, festgelegte Wanderstrecken4. Wenn dort eine Straße liegt, weichen sie ihr nicht einfach aus, sondern laufen darüber. Der NABU nennt als weiteren Taktgeber die Tageslänge: Sie sagt den Kröten, wann es höchste Zeit ist5.

Bei Erdkröten kommt eine liebenswerte, aber gefährliche Eigenart dazu. Die Männchen bleiben oft auf freien Flächen und auf Straßen sitzen, warten dort auf ein Weibchen und lassen sich huckepack zum Gewässer tragen6. Dazu passt, was NABU-Aktive aus Hessen berichten: Manchmal bleiben Kröten und Frösche längere Zeit auf der warmen Fahrbahn sitzen und sind dann ein leichtes Opfer1.

Wie gefährlich ist die Straße für die Tiere?

Sehr gefährlich, und das liegt vor allem am Tempo. Eine Erdkröte braucht für eine sieben Meter breite Straße rund 20 Minuten3. In dieser Zeit kann auf einer Landstraße eine Menge passieren. Dazu kommt etwas, das viele nicht wissen: Ein Auto muss das Tier gar nicht berühren. Der Strömungsforscher Dietrich Hummel von der TU Braunschweig fand heraus, dass viele Kröten schon durch den Unterdruck sterben, den schnelle Fahrzeuge am Boden erzeugen. Bei Tempo 30 wäre dieser Druck so gering, dass viele Tiere überleben würden2. Daher kommt die Bitte des NABU, auf Wanderstrecken höchstens 30 km/h zu fahren1.

Straßen sind allerdings nicht das einzige Problem. Auf der Roten Liste gilt jede zweite der untersuchten Amphibienarten in Deutschland als gefährdet7. In einigen Regionen sind bis zu 80 Prozent der Kleingewässer verschwunden, und auch Abwasser-, Licht- und Kellerschächte werden oft zur tödlichen Falle2. Der Schutz an der Straße ist also wichtig, aber er ersetzt keine Teiche und Tümpel.

Was kannst du selbst tun?

Du musst nicht gleich einen Zaun betreuen, um zu helfen. Der wirksamste Beitrag ist erstaunlich klein: Fuß vom Gas an milden, feuchten Abenden. Das schützt übrigens auch die Freiwilligen, die in diesen Wochen am Straßenrand unterwegs sind1.

Kommst du zu Fuß an einem Tier vorbei, trag es in die Richtung, in die es unterwegs war, und setz es dort ab. Bitte nicht zurück an den Ausgangspunkt und erst recht nicht in deinen Gartenteich4. Wer dauerhaft etwas bewegen will, kann sich einer Gruppe anschließen. Wie das geht, erklären wir im Ratgeber für Helferinnen und Helfer am Zaun.

Und dann ist da noch dein Grundstück. Offene Schächte kannst du mit einfachen Ausstiegshilfen entschärfen3, und ein naturnaher Teich ohne Fische hilft mehr als jede gute Absicht2.