Wie findest du einen Zaun in deiner Nähe?
Der kürzeste Weg führt über die Nachbarschaft. Wenn du weißt, dass in deinem Ort oder im Nachbarort ein Zaun betreut wird, kannst du dich direkt an die jeweilige Naturschutzgruppe wenden. Weißt du es nicht, helfen die lokalen Webseiten des NABU weiter. Außerdem sammelt der NABU-Bundesfachausschuss Feldherpetologie mehr als tausend Schutzzäune samt Kontaktadressen in einer Datenbank1. Auch BUND-Gruppen, Biologische Stationen oder Gemeinden organisieren Zäune, ein Anruf bei der Unteren Naturschutzbehörde bringt dich meist schnell zur richtigen Stelle.
Am besten meldest du dich vor der Saison. Einige Gruppen treffen sich schon im Januar, und in den Wochen danach werden die Zäune aufgebaut5. Keine Sorge, wenn du es erst im März merkst: Kaum eine Gruppe sagt Nein zu zwei weiteren Händen, und viele suchen dringend Leute2.
Du brauchst keine Vorkenntnisse. Wie man die Tiere richtig anfasst und wie man Grasfrösche von Springfröschen oder Bergmolche von Teichmolchen unterscheidet, ist vor Ort schnell gelernt1. Wenn du dich vorher einlesen willst, bietet der NABU dafür einen kostenlosen Online-Kurs an1.
Was machst du bei einem Einsatz?
Die Arbeit ist einfach und klar aufgeteilt. Zuerst wird der Zaun aufgestellt, das übernehmen teils auch Kommune oder Straßenbauverwaltung. Steht er, muss er jeden Tag kontrolliert werden, am besten am frühen Abend und am frühen Morgen1. Größere Zäune werden in Abschnitte geteilt, damit jede Person weiß, wofür sie zuständig ist11.
Du gehst deinen Abschnitt ab und schaust in jeden Eimer. Sitzen Tiere darin, setzt du sie in einen Transporteimer um, trägst sie über die Straße und lässt sie dort frei. In der Regel notierst du dabei Anzahl, Arten und Geschlechter1. Diese Listen sind mehr als Bürokratie. Sie zeigen, wie sich der Bestand entwickelt, und liefern die Zahlen, mit denen sich ein fester Tunnel überhaupt begründen lässt.
Rechne mit Wetterlaune. An kalten Tagen bleibt der Eimer leer, in der ersten milden Regennacht ist Hochbetrieb. Wie viel da zusammenkommen kann, zeigt der Werra-Meißner-Kreis: Dort haben Aktive vom 12. Februar bis zum 22. März 2024 etwa 4.200 Amphibien mit zwei mobilen Zäunen und abendlichen Fahrten entlang einer drei Kilometer langen Strecke gerettet3.
Was brauchst du und worauf musst du achten?
Die Ausrüstung ist überschaubar: Gummistiefel, Einweghandschuhe, ein Eimer zum Tragen, Zählliste und Stift. Für Einsätze in der Dämmerung kommen Taschenlampe und Warnweste dazu. Die Hamburger Umweltbehörde empfiehlt, Amphibien nur mit feuchten Händen oder Handschuhen anzufassen6. Verzichte vorher auf Handcreme und Mückenspray. Die Haut der Tiere nimmt Stoffe direkt auf2.
Dein eigener Schutz geht immer vor. Du arbeitest im Dunkeln neben fahrenden Autos, und der NABU erinnert Autofahrer nicht ohne Grund daran, dass in diesen Wochen viele Freiwillige am Straßenrand unterwegs sind11. Geh also nur dort auf die Fahrbahn, wo du sicher queren kannst, und lass dir die Stelle von deiner Gruppe zeigen.
Im Eimer selbst ist Sorgfalt gefragt. Nach Regen kann Wasser darin stehen, und zwischen Laub verstecken sich kleine Molche gern. Schau deshalb genau hin, bevor du weitergehst.
Darfst du Amphibien einfach einsammeln?
Hier lohnt sich ein genauer Blick. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten zu fangen oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen10. Dazu gehören alle heimischen Amphibien2. Zäune und Sammelaktionen laufen deshalb in enger Absprache mit den Behörden, die Helferinnen und Helfer werden eingewiesen11. Frag deine Gruppe ruhig, wie das bei euch geregelt ist. Einen eigenen Zaun stellst du besser nicht auf, ohne vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde zu sprechen. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Wie schützt du die Tiere vor Krankheiten?
An Zäunen kommen viele Tiere aus verschiedenen Orten mit denselben Eimern in Berührung. Die Universität Trier weist darauf hin, dass der Mensch ein bedeutender Überträger von Amphibienkrankheiten ist, etwa über Arbeitsgeräte und Schuhprofile7. Besonders gefürchtet ist der Hautpilz Bsal, die sogenannte Salamanderpest. Er befällt keine Froschlurche, gilt aber als sehr aggressiv gegenüber fast allen heimischen Schwanzlurchen8. In Nordrhein-Westfalen tritt er seit 2013 auf12, in Bayern wurde er im Steigerwald und in den Landkreisen Unterallgäu und Augsburg nachgewiesen8.
Die Gegenmaßnahmen sind einfach: Einweghandschuhe, am besten aus Nitril, und ein eigenes Materialset pro Zaun. Wechsel die Stiefel zwischen verschiedenen Standorten, reinige und desinfiziere sie nach der Nutzung7. Wie das bei deinem Zaun gehandhabt wird, erklärt dir die Gruppe.


