Wer holt sich was: Fuchs oder Graureiher?

Beide sind zu verschiedenen Zeiten aktiv, und beide suchen etwas anderes. Darum brauchst du auch verschiedene Maßnahmen.

Der Fuchs ist dämmerungs- und nachtaktiv und frisst fast alles: überwiegend Mäuse, aber auch Insekten, Regenwürmer, Frösche, Eier und Vögel bis zur Größe von Enten und Fasanen1. Er lebt längst auch in Parks und Gärten nahe am Menschen1. Von März bis Juni zieht er Junge auf2, in diesen Monaten lohnt sich besondere Aufmerksamkeit.

Der Graureiher ist vor allem am Wasser ein Thema. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt ihn als Art, die überwiegend Fische, Amphibien und Kleinsäuger frisst3. Im Winterhalbjahr jagt er vor allem Wühlmäuse, dazu kommen Reptilien, Insekten und Jungvögel, und für seine Nahrung fliegt er bis zu 30 Kilometer weit4. In einem seichten Gartenteich findet er Zierfische, Frösche und Molche5. Häufig ist er trotzdem nicht: In Bayern wurden 2019 rund 1.990 Brutpaare gezählt10. Für Küken kann er also genauso zur Gefahr werden wie für Kaulquappen. Für erwachsene Hühner haben wir dagegen keinen Beleg gefunden.

Wie wird der Stall nachts fuchssicher?

Die wichtigste Regel ist so simpel, dass sie oft vergessen wird: Alle Tiere müssen abends rein, und die Klappe muss zu. Die Berliner Senatsverwaltung empfiehlt, Geflügel nachts in einem geschlossenen Stall unterzubringen2. Das hessische Praxishandbuch beschreibt, was sonst passiert: Tiere, die nach dem Schließen der Klappen im Auslauf blieben, waren am nächsten Morgen alle tot, vermutlich durch den Fuchs1.

Schau deshalb jeden Abend nach, ob wirklich alle drin sind. Besonders junges Geflügel braucht diesen Schutz, denn Tiere im Auslauf senken die Hemmschwelle des Fuchses, einen Zaun zu überwinden1. Eine automatische Klappe erleichtert den Alltag. Sie kann allerdings nicht durchzählen und schließt auch Nachzügler aus. Ohne Kontrollblick geht es also nicht.

Wie baust du den Zaun richtig?

Für den Auslauf am Tag hast du zwei Möglichkeiten: Elektronetz oder fester Zaun mit Strom. Ein fester Zaun ohne Strom hält Füchse meist nicht auf, denn sie klettern gut und schlüpfen schon in geringer Höhe durch große Maschen. Das Praxishandbuch sagt es klar: Wirksam gegen Beutegreifer sind Elektrozäune oder Festzäune in Kombination mit einem Elektrozaun1.

Beim Elektronetz werden für Geflügel 100 bis 110 Zentimeter Höhe empfohlen. Gegen das direkte Überspringen durch den Fuchs sollte der Zaun mindestens 90, besser 120 Zentimeter hoch sein. Ein gut sichtbares Band oder zwei zusätzliche Litzen darüber helfen1.

Die Spannung muss am entferntesten Punkt mindestens 2.500 Volt betragen, besser 4.000 Volt, bei trockenem Boden mindestens 5.000 Volt1. Das klingt nach viel, sagt aber allein wenig aus, denn es kommt auf die Impulsenergie an. Geräte sollten mindestens 1 Joule je 1.000 Meter Zaun leisten, und die Erdspannung sollte unter 500 Volt liegen1. Hol dir ein Prüfgerät, das beendet jedes Rätselraten.

Der Bewuchs ist der größte Feind. Berühren Gräser den Zaun, fließt Strom ab und der Fuchs bekommt nur noch einen schwachen Schlag. Mäh also vor dem Aufstellen einen Streifen und halte ihn kurz1.

Beim festen Zaun kommen zwei Dinge dazu: eine stromführende Litze gegen das Überklettern und ein Untergrabschutz1. Die Berliner Senatsverwaltung rät, Maschendraht 30 bis 50 Zentimeter tief einzugraben und nach außen zu biegen2.

Schutz vor Fuchs und Graureiher in drei Lagen Links ein geschlossener Stall für die Nacht. Daneben ein Elektronetz von 100 bis 110 Zentimetern mit Erdstab, davor ein gemähter Streifen, an dem der Fuchs draußen bleibt. Rechts ein Teich, an dessen Ufer zwei Drähte in 20 und 35 Zentimetern Höhe den Reiher fernhalten. Über dem Auslauf hängt ein Netz. Netz oben: für Küken und EntenMasche höchstens 25 mm 100 bis 110 cm mind. 2.500 V,besser 4.000 V Erdstab Streifen gemäht Nachts: Stall zu Teich: Drähte in20 und 35 cm Höhe Zaun täglich prüfen, immer unter Strom halten
Schutz in drei Lagen: Zaunwerte aus dem Praxishandbuch des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen1, Drahthöhen am Teich von der Schweizerischen Vogelwarte5.

Wichtig ist auch, dass der Strom immer läuft, auch wenn gerade keine Tiere draußen sind. Nur so lernt der Fuchs, die Stelle zu meiden1.

Was hilft gegen den Graureiher am Teich?

Der Reiher schreitet am liebsten vom Ufer ins Flache. Genau dort setzt der Schutz an. Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt zwei Drähte in 20 und 35 Zentimetern Höhe direkt entlang des Ufers. Sie verwehren dem Reiher den Zutritt, während Amphibien, Singvögel und Kleinsäuger weiter problemlos ans Wasser kommen5. Für einen Froschteich ist das die eleganteste Lösung.

Dazu kommen Verstecke im Wasser, etwa hohl liegende Steine, Baumstrünke und Wasserpflanzen. Inseln oder Stämme, auf denen sich der Reiher niederlassen kann, lässt du dagegen besser weg5.

Küken und junge Enten schützt du am sichersten mit einer Voliere oder einem überspannten Auslauf. Das Netz sollte gut gespannt, durch Pfähle angehoben und gut sichtbar sein, sonst verfangen sich Tiere darin. Kontrolliere es mindestens zweimal täglich1. Nimm am besten gleich eine Maschenweite von höchstens 25 Millimetern, denn nur solche Netze lässt die Geflügelpest-Verordnung als Abdeckung gegen Wildvögel zu9. Ob dein Auslauf bei einer Stallpflicht reicht, sagt dir das Veterinäramt. Der Nebeneffekt: Auch Habicht und Uhu bleiben draußen, und das Netz gilt als eine der hilfreichsten Maßnahmen gegen Angriffe aus der Luft1.

Was darfst du nicht tun?

Der Graureiher gehört als europäische Vogelart zu den besonders geschützten Arten6. Die Regeln zur Jagd unterscheiden sich je nach Bundesland: In Nordrhein-Westfalen nennt der NABU eine ganzjährige Schonzeit6, in Bayern gibt es nur eine eng begrenzte Ausnahme an geschlossenen Gewässern4. Für dich als Halter heißt das: Hände weg. Auch Fallen und Gift sind keine Lösung. Das Fangen, Vergiften oder Abschießen von Greifvögeln ist streng verboten und wird strafrechtlich verfolgt8.

Auch für den Fuchs gilt: Geschützte Tiere oder nicht, vorbeugende Maßnahmen wie Zaunbau und Schutzeinrichtungen haben immer Vorrang1. Wer ein Problem hat, das Zaun und Stall nicht lösen, fragt bei der Unteren Jagdbehörde nach. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.